09. Juni 2026

LW-Pressesprecher Michael Simon erklärt, wie sich die LW auf die Herausforderungen des Klimawandels einstellt.
Seit 1916 verbindet die Stadtwerke Esslingen und die Landeswasserversorgung (LW) eine enge Partnerschaft. Große Teile Esslingens werden von den Stadtwerken Esslingen mit Wasser der LW aus dem Donauried versorgt. LW-Pressesprecher Michael Simon erklärt, wie sich die LW auf die Herausforderungen des Klimawandels einstellt. Denn Trockenperioden und Extremwetter, sinkende Grundwasserneubildung und ungleiche Verteilung sind zunehmende Herausforderungen.
Simon: Im Jahresmittel haben wir immer genug Trinkwasser. Allerdings gibt es Phasen, in denen die Nachfrage nach Wasser besonders hoch ist. Das sind in erster Linie trockene, heiße Phasen im Sommer; bevor die Sommerferien starten und bevor viele Menschen in Urlaub fahren. Für diese Spitzenlasttage brauchen wir Reserven, um unseren Verbandsmitgliedern auch dann genügend Wasser zur Verfügung stellen zu können.
Simon: Wir arbeiten daran, das sogenannte Wasserdargebot zu erhöhen, also die Menge, die uns zur Trinkwassernutzung zur Verfügung steht. Dafür erschließen wir derzeit neue Ressourcen. Die Landeswasserversorgung hat sich bereits Bezugsrechte an einem Grundwasservorkommen bei Heidenheim gesichert. Außerdem prüfen wir aktuell in Gesprächen mit der Stadt Blaubeuren den Wiedereinstieg in die Wasserfassung Blaubeuren-Gerhausen, wo wir 250 Liter pro Sekunde (L/s) beziehen könnten Ein weiterer Baustein ist das Donauwasser. Hier nutzen wir bisher aus Kapazitätsgründen in der sechsstufigen Wasseraufbereitung unser Entnahmerecht von 2300 L/s nicht voll aus und planen deshalb den Bau von drei zusätzlichen Filtern. Auf diese Weise können wir weitere 250 L/s mobilisieren.
Es geht bei alldem darum, für Zeiten von hoher Nachfrage gerüstet zu sein.
Simon: Die Prognosen bis 2050 zeigen, dass in manchen Teilen des Landes um bis zu 50 Prozent weniger Grundwasser neu gebildet wird. Für das Donauried geht die Landesanstalt für Umwelt davon aus, dass im 30-Jahres-Zeitraum 2036-2065 um 15 Prozent weniger Grundwasser neu gebildet wird als im Vergleichszeitraum 1991-2020. Ortsnahe Brunnen und Quellen könnten im Sommer versiegen.
Damit die Versorgung der Bevölkerung auch in Trockenperioden gewährleistet ist, sieht der „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg“ vor, dass die Kommunen ein Konzept erarbeiten, mit dem sie ihre Wasserversorgung auf ein zweites Standbein stellen: beispielsweise durch Kooperationen mit anderen Kommunen und Fernwasserversorgern. Ein zweites Standbein ist laut dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft aktuell nur bei 20 Prozent der Versorgungsbereiche uneingeschränkt vorhanden – eine besorgniserregende Quote, die verdeutlicht: Es ist Zeit zu handeln.
Simon: Bereits in den vergangenen Sommern haben wir gesehen, dass manche Kommunen in Deutschland zum Wassersparen aufgerufen haben und auch Verbote erlassen wurden. Dann darf man zum Beispiel seinen Pool nicht mehr befüllen, den Rasen nicht mehr wässern oder Felder nur nachts beregnen. Das werden wir in Zukunft sicher öfter sehen.
Von Seiten der Landeswasserversorgung testen wir eine sogenannte Spitzenlastbepreisung. Diese soll greifen, wenn Kommunen im Sommer ihr Bezugsrecht überschreiten. So wird über den Preis ein Anreiz geschaffen, weniger Wasser zu verbrauchen. Die Kommunen könnten dann Kampagnen zum Wassersparen bei den Verbrauchern starten, oder ihren eigenen Verbrauch für kommunale Grünflächen senken.
Simon: Die Qualität des Trinkwassers hat oberste Priorität. Die Einzugsgebiete der Landeswasserversorgung sind deshalb seit langem als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. 2025 haben wir außerdem eine Koordinierungsstelle zum Moorschutz im Donauried geschaffen. Ziel ist es, die wertvollen Moorflächen der Region zu erhalten und zugleich eine nachhaltige, umweltverträgliche Nutzung für die Landwirtschaft zu ermöglichen.
Wesentlich für die Qualitätssicherung ist unser renommiertes Betriebs- und Forschungslabor im Wasserwerk in Langenau. Unsere Expertinnen und Experten analysieren täglich die Güte unseres Trinkwassers und entdecken dank innovativer Methoden auch kleinste Mengen an Spurenstoffen zuverlässig. Diese liegen immer unter den strengen Werten, die die deutsche Trinkwasserverordnung vorgibt. Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel und damit guten Gewissens zu konsumieren.
Im Auge behalten muss man das Thema PFAS. Verschiedene Industrien bringen immer mehr Produkte auf den Markt, weil PFAS extrem langlebig, wasser- und fettabweisend sind. Sie können aber auch Krankheiten wie Krebs begünstigen. Deshalb rufen wir die Hersteller von Antihaftpfannen, wasserdichter Kleidung, Kosmetika und Löschschäumen auf, diese Substanzen nicht mehr zu verwenden. Denn wenn sie sich erst einmal im Wasser ansammeln, wird es sehr teuer, sie wieder herauszufiltern. Man bräuchte Membranfilter, was die Aufbereitung sehr teuer machen würde. Solche Stoffe dürfen gar nicht erst in die Umwelt gelangen. Aktuell liegen die Werte im Grundwasser noch weit unterhalb der Grenzwerte.

Wasserwerk Langenau
Simon: Zum Teil: Die Wasserversorgung ist eine krisensichere Branche und wird bei den Arbeitsnehmern deshalb geschätzt. Gleichzeitig gehen viele Kolleginnen und Kollegen der Boomer-Generation in den nächsten Jahren in Ruhestand. Insbesondere im Fachkräfte-Bereich können wir immer wieder Verstärkung gebrauchen.
Wichtig ist uns die Ausbildung des Nachwuchses. Hier sind wir sehr aktiv und werben gezielt um geeignete Schulabgänger, beispielsweise mit unserem Azubi-Anhänger. Auf Messen haben Interessenten die Chance, mit kleinen Versuchen typische Handgriffe eines Anlagenmechanikers, Elektrotechnikers oder Chemielaboranten auszuüben und sich dabei für die Ausbildung zu interessieren.
Rund drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg und Bayern erhalten ihr Trinkwasser von der Landeswasserversorgung. Es fließt in 250 Städten und Gemeinden – darunter Aalen, Ellwangen, Schwäbisch Gmünd, Göppingen, Esslingen, Ludwigsburg, Stuttgart und Ulm – aus den Leitungen, jährlich etwa 100 Millionen Kubikmeter. Das Trinkwasser entstammt den Grundwasservorkommen der Schwäbischen Alb in der Region zwischen Ulm und Heidenheim. Ein Teil des Wassers wird der Donau entnommen und im Wasserwerk Langenau in einem mehrstufigen Verfahren zu Trinkwasser aufbereitet.
Mit dem Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg erfolgt eine Bestandsaufnahme der öffentlichen Wasserversorgung im Ist-Zustand und als Prognose für 2050. Das Ziel: eine zukunftsfähige Wasserversorgung, die Trinkwasser verlässlich, in guter Qualität und zu einem angemessenen Preis zur Verfügung stellt. Die Ergebnisse für den Landkreis Esslingen sollen noch 2026 vorgestellt werden:
https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/wasser/wasserversorgung

Versorgungsgebiet der Landeswasserversorgung