21. Juli 2026

Esslingen ist vom Wasser geprägt. Zum Jubiläum „150 Jahre Trinkwasserversorgung“ bieten die SWE mit dem Stadtmarketing einen spannenden Rundgang an, unter anderem zu neuen und historischen Brunnen, Kanälen und zum Geiselbach.
Durstig muss auf dieser Tour niemand bleiben: Denn gleich am Anfang gibt es die Möglichkeit, sich mit ausreichend Wasser zu versorgen. Am Schelztor wurde vor einigen Jahren ein öffentlicher Trinkwasserbrunnen aufgestellt, der von den Mitarbeitern der Stadtwerke regelmäßig kontrolliert wird. Auf Knopfdruck sprudelt das Wasser in die Glas-Bügelflaschen, die es zum Tourstart für jeden Gast gibt. „Der Brunnen ist Teil des Schattenwegs, der durch die gesamte Innenstadt führt“, erklärt Andrea Urbansky. Gerade in heißer werdenden Sommern sei es wichtig, dass die Menschen vor der Sonne geschützt sind und genügend trinken können.
Die Kunsthistorikerin und Stadtführerin hat sich intensiv mit dem Thema Wasser beschäftigt. „Esslingen war immer schon vom Wasser geprägt.“ Zum einen geht der Reichtum der Stadt unter anderem darauf zurück, dass Esslingen an einem Handelsweg von Venedig nach Flandern lag und die Händler hier den Fluss überquerten. „Sie waren verpflichtet, einen Teil der Waren zum Verkauf anzubieten. Auf den erfolgten Verkauf wurden Steuern erhoben.“ Neben dem Neckar mit seinen Kanälen floss auch der Geiselbach durch die Stadt. „Die Vorgängerbauten der heutigen Stadtkirche lagen geschützt dazwischen und dennoch hoch genug, um vor Hochwasser geschützt zu sein.“ Beeindruckend ist ein altes Bild vom Geiselbach, der – an der Stelle der heutigen Geiselbachstraße - am Salemer Pfleghof vorbeiströmte.
Neben den modernen Trinkwasserspendern gibt es in der Altstadt einige historische Brunnen zu bewundern, zum Beispiel den barocken Löwenbrunnen am Marktplatz. Schon im 14. Jahrhundert ist an dieser Stelle ein Brunnen überliefert. „An den Hängen Esslingens gab es immer schon viele Quellen“, weiß die Stadtführerin. „Dieses Quellwasser wurde über Holzleitungen, sogenannte Deicheln, in die Stadt geleitet.“ Die Lauf- oder Röhrenbrunnen hatten einen großen Vorteil: „Das Wasser war immer sauber, da es direkt von den Quellen kam.“ Ganz anders bei traditionellen gebohrten Brunnen: Dort konnten Unrat oder sogar verendete Tiere das Grundwasser verunreinigen.
Als im 19. Jahrhundert die Bevölkerung in Esslingen rasant wuchs, reichte das Wasser von den Quellen nicht mehr aus. In den Jahren 1876/1877 wurde deshalb auf der Burg ein Wasserspeicher gebaut. Das Wasser wurde vom Grundwasserwerk am Neckar nach oben gepumpt und floss dann dem natürlichen Gefälle folgend in die Stadt hinunter. „Zwischen Burg und Innenstadt sind 60 Meter Höhenunterschied“, erklärt Urbansky. „Durch diesen Druck kommt das Wasser auch in den oberen Stockwerken der Häuser an.“ Um dies zu demonstrieren, habe man bei der Eröffnung sogar eine Wasserfontäne steigen lassen. „Diese soll 37 Meter hoch gewesen sein. Das war für die Menschen sehr beeindruckend.“ Elf Kilometer Leitungen habe man in kurzer Zeit verlegt – eine große Leistung.
Das Wasser, das mit Druck von der Burg herunterkam, brachte einen Esslinger noch auf eine ganz andere Idee. Denn damals wurden viel Obst und Ölsaaten gepresst. Vor allem letzteres war eine schwere und schweißtreibende Arbeit. Warum nicht die Kraft des Wassers dafür nutzen? Fritz Müller, der in der Webergasse wohnte, betrieb eine Schlosserei und entwickelte ab 1870 die ersten hydraulischen Pressen. Daraus ging das Unternehmen Fritz Müller Pressenfabrik zurück, das ehemalige Firmengebäude steht an der heutigen Fritz-Müller-Straße. Auch die Stadtwerke Esslingen haben in dieser Straße seit einigen Jahren ihren Sitz.
Noch viel mehr Geschichten über die Esslinger Brunnen, Kanäle, ehemalige Badestuben und die heutige Nutzung der Wasserkraft weiß die Stadtführerin zu erzählen. Wer mehr erfahren will, meldet sich am besten gleich zum nächsten Termin an.

Esslingen hat viele schöne Brunnen, hier der Brunnen auf dem Hafenmarkt. Einen Hafen gab es hier übrigens nicht, der Name geht auf das schwäbische Wort für Tontöpfe und andere Gefäße zurück.
Wo heute die Geiselbachstraße verläuft, floss früher der Geiselbach am Salemer Pfleghof vorbei.


Der Beutaubrunnen ist mit Blumen geschmückt.
Die Wasserkraft wird heute auch zur Erzeugung vom Strom genutzt.


An den Esslinger Kanälen
„Auf den Spuren des Wassers – 150 Jahre Trinkwasserversorgung in Esslingen“, Stadtführung in Kooperation mit den Stadtwerken Esslingen, Kosten 5 Euro/Person, nächster Termin: 1. Oktober, 17 Uhr