11. Oktober 2024

Nicht nur in Esslingen wird gebaggert: Überall im Land werden derzeit die Wärmenetze ausgebaut. Die Wärme für Heizung und Warmwasser kommt dann über Leitungen direkt ins Haus. Manchmal über das Fernwärmenetz, teils über Nahwärmenetze. Doch was ist eigentlich der Unterschied?
Das Grundprinzip von Nah- und Fernwärme ist schnell erklärt: Eine gemeinsame Heizzentrale erzeugt die Wärme, die dann über Leitungen zu den einzelnen Gebäuden transportiert wird. In den gut isolierten Rohrleitungen fließt heißes Wasser. Über Übergabestationen wird die Wärme aus den Rohrleitungen in das hauseigene Netz übertragen. Das Wasser im Wärmenetz fließt am Ende – deutlich abgekühlt - wieder in die Heizzentrale zurück, wo es erneut aufgeheizt und wieder auf die Reise geschickt wird.
So weit, so gut. Doch was ist nun der Unterschied zwischen Fernwärme und Nahwärme? So genau ist das tatsächlich gar nicht festgelegt. Von Fernwärme spricht man in der Regel, wenn die Wärme von großen zentralen Kraftwerken kommt und über mehrere Kilometer transportiert wird. Nahwärmenetze dagegen sind kleiner und meist auf ein Wohngebiet beschränkt. Manchmal wird deshalb auch der Begriff „Nahwärmeinsel“ verwendet. Technisch und rechtlich ist Nah- und Fernwärme aber das gleiche. Man macht also nichts falsch, wenn man von Fernwärme spricht, obwohl die Heizzentrale nicht weit weg ist.
Die Stadtwerke Esslingen bieten sowohl Nah- als auch Fernwärme an. Die Fernwärme beziehen wir dabei vom Fernwärmeverbund Mittlerer Neckar, das Netz reicht von der Stuttgarter Innenstadt bis nach Plochingen. Den Kern des Fernwärmeverbunds bilden die EnBW-Kraftwerke Altbach, Stuttgart-Münster und Stuttgart-Gaisburg. Die Wärme entsteht dort größtenteils als Nebenprodukt bei der Stromproduktion. Die Stadtwerke Esslingen verteilen diese Wärme im Stadtgebiet weiter, vor allem in den Gebieten entlang des Neckars. Aktuell wird das Netz intensiv ausgebaut, zum Beispiel in der östlichen Innenstadt.
Neben der Fernwärme betreiben die Stadtwerke Esslingen zahlreiche Nahwärmenetze. Das größte davon ist im Scharnhauser Park. Das dortige Holzheizkraftwerk mit ergänzenden Gaskesseln versorgt rund 9.000 Menschen des Ostfilderner Stadtteils mit Wärme. In Esslingen gibt es ein großes Nahwärmenetz auf der Flandernhöhe. Dort erzeugt ein Blockheizkraftwerk Wärme und Strom – die eingesetzte Energie wird dadurch besonders effizient genutzt. Im Neubaugebiet Greut sorgt ebenfalls ein Blockheizkraftwerk für Wärme. Dieses kann langfristig mit Biogas, synthetischem Gas oder Wasserstoff betrieben werden. Daneben gibt es noch viele weitere Nahwärmenetze der SWE in Esslingen und der Region. Teils kommen dort auch Holzpellets, Hackschnitzel und Geothermie zum Einsatz.
Egal, ob Nah- oder Fernwärme - für die angeschlossenen Nutzer gibt es viele Vorteile: Sie brauchen keinen Heizraum, keinen Kessel, keinen Lagerraum für den Brennstoff und keinen Schornstein. Es fallen keine Kosten für die Wartung des Kessels und den Kaminkehrer an. Die Übergabestation im Haus braucht nur wenig Platz und ist relativ wartungsarm. Über Umweltauflagen müssen sich Nah- und Fernwärmekunden keine Gedanken machen: Wer an eines der SWE-Netze angeschlossen ist, erfüllt automatisch die gesetzlichen Vorgaben.