23. Mai 2025

Hitze, Trockenheit, Starkregen – der Klimawandel hat viele Auswirkungen. Städte müssen deshalb so umgestaltet werden, dass sie auch in Zukunft lebenswert bleiben. Gleichzeitig wollen wir die Energiewende schaffen. Was sind die Lösungen?
In Ballungsräumen ist der Klimawandel im Sommer besonders spürbar. „Prognosen zeigen, dass wir in Esslingen mehr Sommertage mit Höchsttemperaturen und mehr Tropennnächte erleben werden“, berichtet Katja Walther, die Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz bei der Stadt Esslingen. „Denn Autos, Beton und asphaltierte Flächen heizen sich tagsüber auf und geben die gespeicherte Wärme nachts wieder ab.“ Die versiegelten Flächen sind dabei nicht nur bei Hitze ein Problem: Bei Starkregen kann kein Wasser versickern, stattdessen fließt alles in die Kanalisation, die mit den Mengen überlastet sein kann.
Einerseits Hitzestress für Menschen, Tiere und Pflanzen, andererseits die Gefahr von Überschwemmungen – der Klimawandel stellt Städte und Gemeinden zunehmend vor Herausforderungen. Gleichzeitig muss die Energieversorgung nachhaltig und krisenresistent aufgestellt werden. Dafür arbeiten Stadt und Stadtwerke an Lösungen.
Wir treffen Katja Walter auf dem Spielplatz „Schäfergelände“ in der Innenstadt. Direkt am Hammerkanal gelegen ist das Gelände mit seinen Spielgeräten bei Kindern und Eltern beliebt. „Im Sommer wird es jedoch ziemlich heiß. Vor allem in den Mittagsstunden ist nur wenig Schatten zu finden“, weiß Walther.
Das Grünflächenamt hat bereits neue Bäume gepflanzt. Bis diese so groß sind, dass sie wirklich Schatten spenden, dauert es allerdings noch ein paar Jahre. Die Stadtwerke Esslingen haben deshalb den Bau eines großen Sonnensegels unterstützt, so dass Eltern und Kinder künftig geschützt sitzen und sich ausruhen können. Außerdem wurde ein Trinkwasserbrunnen aufgestellt. „Ab Mitte Mai können sich alle Durstigen am Wasser aus dem Brunnen erfrischen“, so SWE-Pressesprecher Holger Koller.
Der Spielplatz auf dem Schäfergelände ist einer der „Cool Spots“ auf dem Esslinger Schattenweg. Die Idee dahinter: Die Menschen sollen sich im Sommer in der Innenstadt im Schatten bewegen können, und zusätzlich Brunnen, Sitzbänke oder Spielmöglichkeiten finden. Die Wegeverbindung führt bereits vom Schillerpark am Mörike-Gymnasium vorbei zur Maille, von dort über den Kesselwasen zum Marktplatz und weiter zum Schelztorturm. Im weiteren Ausbau soll es über die Bahnhofstraße zum Neckaruferpark und weiter zum Merkelpark gehen.

Der Marktplatz bekommt im nächsten Jahr ein neues Pflaster.
Auf der Maille, am Schelztorturm und am Marktplatz gibt es bereits Trinkwasserbrunnen. Der Marktplatz selbst wird in den kommenden Jahren umgestaltet. Aus der Fläche, die sich bisher im Sommer stark aufheizt und nachts weiter Wärme abstrahlt, soll ein weiterer „Cool Spot“ werden – dank einem kühlenden Fontänenfeld und Sitzmöglichkeiten im Schatten unter Bäumen. Der graue Asphalt soll einer hellen Pflasterfläche weichen, die wie bisher für Veranstaltungen und den Wochenmarkt genutzt werden kann. „Die Umgestaltung hilft nicht nur gegen Hitze, sondern auch bei Starkregen“, erklärt Walther. „Denn das Sickerpflaster kann Wasser aufnehmen, entlastet so die Kanalisation und hilft, Überschwemmungen zu vermeiden.“
Aktuell ist auf dem Marktplatz noch die Baustelle zur Sanierung des Geiselbachs eingerichtet. Dieser wichtige Abwasserkanal verläuft unterhalb des Platzes und wird auf den neuesten Stand gebracht. Anfang 2026 soll es dann mit der Umgestaltung des Marktplatzes selbst losgehen. Ziel ist, bis zum Stadtjubiläum im Jahr 2027 fertig zu sein. Im Anschluss soll auch die Abt-Fulrad-Straße bis zur Agnespromenade umgestaltet werden – mit neuen Bäumen, einem neuen Pflaster und Sitzmöglichkeiten.

SWE-Mitarbeiter Tobias Schmid lässt zusammen mit Katja Walther eine Drohne steigen. Damit kann er überprüfen, ob ein Dach für Photovoltaik geeignet ist.
Blickt man von den Anhöhen der Stadt auf die Innenstadt, sieht man viele Dächer. Diese bieten ein großes Potenzial, umweltfreundlichen Strom zu erzeugen. In der denkmalgeschützten Altstadt ist Photovoltaik jedoch eine Herausforderung. Kreative Lösungen sind gefragt. SWE-Teamleiter Tobias Schmid steht vor dem Georgii-Gymnasium und lässt eine Drohne aufsteigen. So kann er die Dachlandschaft genau ansehen. „Möglich wäre hier eine PV-Anlage auf dem Mensa-Gebäude“, so der Experte. Statt der gängigen PV-Module würden spezielle Ziegel mit integrierten Solarzellen verwendet werden.
Gleich nebenan befindet sich mit der Schelztorhalle ein weiteres spannendes Dach. Die Halle muss saniert werden, auf dem gezackten Sheddach könnten PV-Fo
lien zum Einsatz kommen. „Wir suchen immer nach praktikablen und guten Lösungen.“
Die Stadtwerke Esslingen gehen übrigens mit gutem Beispiel voran: Auf dem Dach des Merkel’schen Schwimmbads gibt es seit Anfang des Jahres eine PV-Anlage. „Hier wurden sogenannte Full-Black-Module verwendet“, erklärt Schmid. „Mit ihrem dezenten Design fügen sie sich gut in die Umgebung ein.“

In der Pliensaustraße sollen schon bald Wärmeleitungen verlegt werden.
Die Pliensaustraße ist eine der breiteren Straßen in der Esslinger Innenstadt. Bald schon sollen hier Fernwärmeleitungen verlegt werden. Denn in der östlichen und südlichen Innenstadt arbeiten die SWE aktuell daran, Esslingen klimafit zu machen. So können Hausbesitzer von fossilen Brennstoffen auf umweltfreundliche Wärme umsteigen. Aktuell sind Bautrupps im Auftrag der SWE in
der Hindenburg-, Obertor- und Breslauer Straße unterwegs. Noch dieses Jahr könnte es auch im Bereich zwischen Pliensaustraße, Neckarstraße, Bahnhofstraße und Roßmarkt losgehen. Anfang April gab es im Salemer Pfleghof einen gut besuchten Infoabend, bei dem Fachleute der SWE Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer über ihre Anschlussmöglichkeiten informierten. „Das Interesse an einer nachhaltigen Energieversorgung ist groß“, so SWE-Geschäftsführer Jörg Zou. „Wir wollen den Menschen gute Möglichkeiten bieten und bauen deshalb unsere Wärmenetze sowohl in der Innenstadt als auch in anderen Stadtteilen aus.“ Die Fernwärme der SWE entsteht im Rahmen der Stromproduktion im Kraftwerksverbund Mittlerer Neckar, zu dem die Kraftwerke in Altbach, Stuttgart-Gaisburg und Stuttgart-Münster gehören. Dort wird nicht nur Restmüll verbrannt, sondern eine Großwärmepumpe macht seit 2024 auch die Wärme des Neckars nutzbar.

Weniger Asphalt, mehr Grün: In der Berliner Straße wird es im Sommer nicht mehr so heiß.
Während die Bauarbeiten auf dem Esslinger Marktplatz erst starten, ist man rund um den Bahnhof schon weiter. Vor dem QBus-Gebäude auf dem Gelände des alten Omnibus-Bahnhofs in der Berliner Straße wurde vor zwei Jahren eine Fahrspur weggenommen. Stattdessen wurden Grünflächen geschaffen und Bäume gepflanzt. Regenwasser kann nun versickern. „Die Fläche heizt sich jetzt deutlich weniger auf als vorher“, freut sich Katja Walther. Für Fußgänger ist der Bereich dank der Grünflächen und neuer Übergänge viel angenehmer.
Vom Bahnhof sind es nur wenige Schritte in die Neue Weststadt, ein bundesweites Modellprojekt für nachhaltige Energieerzeugung. Auf den Dächern wandeln viele PV-Anlagen die Sonnenstrahlen in elektrische Energie um, die von den Bewohnern genutzt wird. In der Energiezentrale wird aus grünem Strom Wasserstoff erzeugt. Die Abwärme, die bei diesem Elektrolyse-Prozess entsteht, wird in den Gebäuden zum Heizen verwendet. Der Wasserstoff selbst soll künftig industriell genutzt werden, dafür ist eine Pipeline entlang des Neckars geplant.

Zwischen Bahnhof und Neckar entsteht eine Parklandschaft mit renaturierten Flächen und Aussichtsplateau.
Auf unserem Rundgang machen wir noch einen Abstecher zum Neckar. Durch die Klimaveränderungen wird es künftig mehr Starkregenereignisse geben, die Gefahr für Überschwemmungen steigt. Im Juni letzten Jahres musste am Wasserhaus innerhalb weniger Stunden ein Damm aufgeschüttet werden, um die Innenstadt vor Überflutung zu schützen. „Die Stadt erarbeitet derzeit genaue Gefahrenkarten für alle Stadtteile“, so Walther. So wird erkennbar, wo Handlungsbedarf besteht. Überflutungsschutz ist dabei nicht nur am Neckar wichtig. Im Stadtteil Kennenburg wird gerade der Hainbach aus seinem Beton-Korsett befreit und renaturiert. Ein Auwäldchen dient künftig als sogenannter Retentionsraum, darf also überschwemmt werden. Ein Teil des Aushubs wird übrigens zu einer anderen Esslinger Baustelle transportiert: Die Erde wird im Neckaruferpark verwendet. Zwischen Hechtkopf und Pliensaubrücke entsteht eine rund zwei Hektar große Fläche direkt am Fluss. Sie lädt zum Verweilen, Spielen und Natur erleben ein und bietet damit eine Erholungsfläche, unter anderem für die Bewohner der Neuen Weststadt.
Auf unserem Rundgang haben wir viele gute Beispiele gesehen, wie Stadt und Stadtwerke Esslingen dafür sorgen, dass Esslingen „klimafit“ wird: Entsiegelung von Flächen, Begrünung, Trinkwasserbrunnen, Hochwasserschutz, Photovoltaik auf Dächern, Ausbau der Wärmenetze. Schließlich soll unsere Stadt lebenswert bleiben - auch für künftige Generationen.